Marktupdate 36/2026 Wie eine Staatsschuldenkrise entsteht
DAS AKTUELLE GESCHEHEN
Markus Schön, Sonntag 06. September 2026
Zum ersten Mal seit vier Wochen gab es wieder größere Militärschläge der USA gegen den Iran, der seinerseits auch wieder Ziele angriff. Dies sorgte für einen deutlichen Anstieg des Ölpreises. Die möglicherweise beim US-Präsidenten Donald Trump bestehende Hoffnung, der Zugriff auf Ölvorkommen in Venezuela könne für einen kurzfristigen Preisrutsch sorgen, trat nicht ein. Ganz im Gegenteil – der Ölpreis um 10% im Vergleich zur Vorwoche und trug einen Teil zu den steigenden Zinsen bei. Schließlich steigt mit höheren Energierohstoffpreisen das Risiko einer stärkeren Inflation, in deren Folge die Notenbanken dann die Leitzinsen erhöhen. In den USA wurde diese Sorge durch überraschend gute Arbeitsmarktdaten gestützt, während der US-Präsident die Notenbank aufforderte, bei ihrer Sitzung in rund zwei Wochen die Zinsen zu senken. Er drohte, den Handel mit Staaten, die einen Haushaltsüberschuss gegenüber den USA erwirtschaften, zu untersagen. Die Kausalität zu Leitzinsen liegt nicht auf der Hand, aber der Gedanke Trumps scheint zu sein, dass der Wegfall von Handelsdefiziten zu mehr Kapital in den USA führt, was wiederum investiert wird oder Anlagen sucht, in deren Folge dann die Kurse für nahezu alle US-Anlagen steigen müssten. Er vergisst dabei aber, dass Kapitalmärkte nicht monokausal funktionieren und beispielsweise derzeit die Sorge um die Schuldentragfähigkeit einzelner Staaten für steigende Zinsen sorgt. Dabei wird der Blick weniger auf die laufende Haushaltssituation als auf die Gesamtverschuldung gelegt. Neben den USA und Großbritannien rückt mit Frankreich wieder ein EU- und Euro-Staat in den Fokus. Aber auch Deutschland kann durch die stark gestiegenen Schulden negativ betroffen sein.
DIE ERWARTUNG
Möglicherweise wirkt hier der Wahlausgang in Sachsen-Anhalt beschleunigend. Zwar ist das Bundesland relativ klein; aber internationale Investoren könnten von dem Kleinen auf das „große Ganze“ schließen, zumal in der hinter uns liegenden Handelswoche deutlich wurde, wie ernst die Lage der deutschen Wirtschaft tatsächlich ist. Die Großinsolvenzen sind auf einen historischen Höchstwert gestiegen. Mit Volkswagen muss eines der vormals international erfolgreichsten, deutschen Unternehmen den Sparkurs dramatisch verschärfen. Weitere 50.000 Arbeitsplätze – die Hälfte davon in Deutschland – sollen wegfallen. Weitere Werke werden geschlossen und mindestens eine Marke könnte völlig vom Markt verschwinden. Diese Restrukturierung wird Milliarden Euro kosten und zu sinkenden Steuereinnahmen führen. Da dies kein Einzelfall ist, droht eine weitere Verschlechterung der Haushaltslage, was eine negative Entwicklung der Finanzierungsbedingungen nach sich ziehen könnte. Weniger Einnahmen stehen höhere Ausgaben gegenüber, was durch steigende Zinsen nur beschleunigt wird. So hat die Rendite von 10 Jahre laufenden Bundesanleihen mit 3,34% p. a. den höchsten Stand seit 15 Jahren erreicht. Die Rendite vergleichbarer französischer Staatsanleihen liegt sogar bei 4,20% p. a. So hohe Zinsen musste Frankreich zuletzt unmittelbar vor Ausbruch der Weltfinanzkrise 2008 bezahlen. Damals lag der Leitzins in der Eurozone bei 4,25% p. a., weil der damalige EZB-Präsident Trichet den Fehler machte, in eine Krise hinein den Leitzins noch zu erhöhen. Diese Gefahr besteht insbesondere in den USA aktuell ebenfalls. Neben der Staatsverschuldung macht vor allem die Finanzierung der KI-Investitionen Sorgen. Hier werden ebenfalls Billionensummen über den Kapitalmarkt finanziert. Nur ein kleinerer Teil erfolgt durch Aktien und Private Equity; der weit überwiegende Teil wird durch Kredite und Anleihen beschafft. Ähnlich wie zur Weltfinanzkrise 2008 sind viele der Finanzierungen „mehrfach verpackt“ und in angeblich sicheren Papieren versteckt. Schon da ist das Risikovolumen deutlich höher als 2008. Zusammen mit der Verschuldung der Staaten, deren Risiken zuletzt in der Euro-Schuldenkrise 2011 sichtbar wurden, ist das Risiko gigantisch. Aber Blasen platzen nicht, wenn man damit zu rechnen scheint. Derzeit testen die Märkte vor allem, wie der neue US-Notenbankpräsident agieren wird. Aber in dem insgesamt angespannten Marktumfeld gibt es auch wieder positive Impulse. So nehmen die USA die Vermittlerrolle im Ukraine-Krieg wieder auf und führen an diesem Wochenende Gespräche in Russland und der Ukraine. Gleichzeitig scheinen die wirtschaftlichen Maßnahmen gegen den Iran wesentlich mehr Druck als die militärischen Angriffe auszulösen. Deswegen ist nicht auszuschließen, dass sich zwei sehr große Konfliktfelder zumindest moderat entspannen. Das könnte – zumindest perspektivisch – positive Impulse für die Weltwirtschaft bringen. Allerdings bleibt an den Aktienmärkten so viel Positives eingepreist, dass ein deutlicher Schub eher unwahrscheinlich ist. Deswegen bleiben vor allem Unternehmensanleihen attraktiver. Sie bieten gute Zinsen, haben viel Kurspotential und sind deutlich sicherer als fast alles andere.
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