Marktupdate 40/2026 Rückkehr der Zinsgeraden? Warum aktives Management jetzt den Unterschied macht
Rückkehr der Zinsgeraden? Warum aktives Management jetzt den Unterschied macht
Markus Schön, Sonntag 04. Oktober 2026
DAS AKTUELLE GESCHEHEN
Das heutige Schön & Co Marktupdate wird spannend, weil wir uns sehr grundsätzlich mit der globalen Zinsstruktur beschäftigten. Während deutsche Anleihen eine sehr gute Woche hinter sich haben, droht Frankreich finanzwirtschaftlich aus dem Ruder zu laufen. Aber auch der Aktienmarkt birgt so manche Überraschung. Am besten kann man dies mit dem „bösen Zwilling“ des S&P 500 erklären, aus dem Aktienanleger bereits flüchten. Das Geld geht in zunehmender Geschwindigkeit in Anleihen. Deswegen sind wir in den Schön & Co Mandaten nahezu vollständig investiert. Jetzt ist – wieder einmal – die Zeit, bei uns aufzustocken.
Während der September in Teilen „schwere Kost“ war, beginnt der Oktober golden. Deutsche Anleihen gewinnen rund 1,5% in einer Woche hinzu. Einen ähnlich starken Anstieg gab es zuletzt vor rund sechs Monaten. Aber anders als zum Ende des 1. Quartals 2026 stellt sich die Situation differenzierter dar. Während deutsche Anleihen über das gesamte Laufzeitband gewinnen, profitieren in den USA von dem Anleihen-Boom vor allem kurze Laufzeiten, weil nun doch eine kurzfristige Zinserhöhung unwahrscheinlicher geworden ist. Allerdings werden 10 Jahre laufende US-Staatsanleihen mit über 5% p. a. emittiert, obwohl das US-Finanzministerium lang laufende Staatsanleihen in kürzere Papiere tauscht. Bei Letzteren ist die Nachfrage am Markt so hoch wie nie zuvor. US-Anleger tauschen Aktien und Zinsrisiken zunehmend gegen kurzlaufende Sicherheit, die gut verzinst wird. Kurzfristig können sich die USA – Staat, Verbraucher und Unternehmen – gut refinanzieren. Längerfristig wird es jedoch zunehmend teuer und durch das erreichte Niveau „gefährlich“. Es zieht eine neuerliche Schuldenkrise auf, die 2008 und 2011 weit übertreffen könnte. Allerdings muss man sich fragen, ob diese in Europa nicht schon eher ankommt. Mit Frankreich hat die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone ein echte Refinanzierungsproblem. Über alle Laufzeiten hinweg muss der französische Staat rund 150 Basispunkte mehr als Deutschland bezahlen. In Frankreich fällt die Marke von 5% p. a. für zehn Jahre laufende Staatsanleihen. Zusammen mit dem dortigen politischen Stillstand kann das nicht mehr lange funktionieren. Es gibt erste Indikatoren, die auf ein Einschreiten der EZB deuten, die französischen Zinsen zu senken.
DIE ERWARTUNG
Eine Intervention der EZB muss über – ggf. derivative – Anleihekäufe erfolgen. Zulässig ist dies nur, wenn die Notenbank im Verhältnis der jeweiligen staatlichen Beteiligung kaufen würde. Dafür würden also auch deutsche Staatsanleihen massiv profitieren. Die Zinsdifferenz zwischen Frankreich und Deutschland würde sich dennoch reduzieren, weil die EZB ihre Entschlossenheit demonstrieren würde, die Eurozone insgesamt zu verteidigen. Wenn solche Schritte erfolgen, wird die Bedeutung von Zinserhöhungen zurückgehen. Insgesamt wird die Zinskurve dann flacher. Die „Rückkehr der Zinsgeraden“ ist nicht auszuschließen, was gerade jetzt gute Chancen im Anleihemarkt bietet und für die Zukunft ein aktives Management erfordert.
Ganz wesentlich wird sein, ob sich dann – aus deutscher Sicht betrachtet – die Zinskurve bei 3% p. a. oder 4% p. a. einpendeln wird. Je höher der Zinssatz ist, desto unattraktiver werden Aktien. In Deutschland kann man dies schon sehen. Der DAX ist noch knapp im Jahr 2026 im Plus, während der MDAX schon im Minus steht. Ein Grund sind die Immobilienwerte, die – ebenso wie Immobilienfonds – einer dunklen Zeit entgegengehen. Wer hier investiert sein will, muss sehr langfristig denken. Wenn man die US-Indices betrachtet, zeigt sich ein ähnlich dunkles Bild. So war nicht nur der US-Leitindex im 3.Quartal 2026 deutlich im Minus. Nasdaq und S&P500 profitieren ausschließlich von den Technologieaktien. Dort zeigte zuletzt Oracle wie schnell es abwärts gehen kann. Kurze Zeit lieferte sich der Hauptaktionär Larry Ellison mit Elon Musk ein Duell um die Position des reichsten Menschen der Welt. Aber nach einem Kursrutsch um 50% bei Oracle war das Thema erledigt – auch, weil man gern vergisst, dass SpaceX eine riesige Illusion und Tesla nur von dem Verkauf von CO2-Zertifikaten lebt. Anders als bei Bill Gates oder Warren Buffett ist das Vermögen von Elon Musk aus einer Illusion entstanden. Aber genau diese Illusion ist – neben der Staatsschuldenfrage – eine Gefahr für die globalen Finanzmärkte. Der S&P500 gewichtet Aktien nach der Marktkapitalisierung. Deswegen haben sieben Aktien einen Einfluss von 40%. Es gibt aber auch den S&P500 Equal Weight. Dort haben alle Aktien die identische Gewichtung. Dieser Index ist auf Jahressicht 2026 ins Minus gedreht. Wer also am Aktienmarkt nicht alles auf sieben Werte setzen will, konnte bislang mit dem Risiko kein Geld verdienen, während sich aktives Management bei Anleihen auch in der schwierigen Marktphase ausgezeichnet hat. Unter den guten Rahmenbedingungen für Anleihen und dem Fokus auf wenige Technologie-Aktien kommen Edelmetalle ins Hintertreffen. Nach Silber und Platin weist nun auch Gold auf Jahressicht 2026 ein deutliches Minus auf. Zu erklären ist dies nicht. Industriell benötigte Edelmetalle wie Silber oder Platin sind in einer auf Sicherheit ausgerichteten Anlagestrategie nicht zu ersetzen. Deswegen sollte man die gestiegenen Zinseinnahmen nutzen, um die Positionen im Edelmetallbereich weiter auszubauen. Sollte sich die Abwärtsbewegung beim Gold fortsetzen, könnten auch dort erste Positionen sinnvoll sein. Daneben sollte man die Quote bei erstklassigen Anleihen erhöhen, weil das Zinsniveau absehbar sinken wird.
Der Text ist unser sonntäglich erscheinendes Schön & Co-Marktupdate, für das Sie sich unter info@schoenco.de jederzeit kostenlos und unverbindlich.
