Marktupdate 35/2026 Ende der Sommerpause in den USA

Marktupdate 35/2026

Markus Schön, Sonntag 30. August 2026

DAS AKTUELLE GESCHEHEN

Ab der kommenden Woche geht die „Sommerpause“ auch in den USA zu Ende. Vielfach beginnt auch dort die Schule, aber vor allem kehren die Börsenhändler aus dem Urlaub zurück. Das wird sich bei den Umsätzen bemerkbar machen. Die Nachrichtenlage wird zunächst eher überschaubar bleiben und vor allem politisch bestimmt sein. Schließlich rücken die Zwischenwahlen in den USA näher und Donald Trumps wirtschaftlich erfolgreiche USA gibt es in seinen Reden, aber nicht in der Realität. Das US-Verbrauchervertrauen, die US-Inflation und der US-Immobilienmarkt geben Anlass zur Besorgnis.

Da ist es nicht überraschend, wenn der US-Präsident ein „neues Kaninchen aus dem Hut zaubert“. Schließlich findet er für den Iran-Krieg keine Lösung und seine Zustimmungswerte sind schlecht. Er vermeldete an diesem Wochenende den „größten Öl-Deal aller Zeiten“. Mit rund 65 Mrd. Barrel sichern sich die USA rund 20% der bekannten Ölreserven Venezuelas und könnten so ihre eigenen strategischen Ölreserven verdoppeln. Für diesen „Deal“, der eher eine Option ist, sichert man Venezuela 100 bis 300 Mrd. US-Dollar Investitionen zu. Daher ist es verwunderlich, dass Donald Trump nicht von einem Ölkauf zu 95% unter den aktuellen Marktkonditionen spricht. Schließlich will der US-Präsident mit dieser Transaktion die US-Treibstoffpreise senken und so die Inflation bekämpfen. Dabei übersieht er, dass die Ölqualität in Venezuela eher schlecht ist, sich die Förderung sehr aufwändig gestalten wird und – selbst unter optimalen Bedingungen – erst in fünf bis zehn Jahren zusätzlich nennenswerte Ölmengen in die USA fließen können. Die US-Regierung scheint auf eine Naivität an den Kapitalmärkten zu hoffen, die sich von den niedrigen Investitionskosten für den Zugriff auf die Ölvorkommen blenden lassen, damit die Preise drastisch fallen. Dies würde dann auch den wirtschaftlichen Druck auf den Iran erhöhen, der sein Öl weiterhin nach China und Indien verkauft. Beide Staaten lassen sich zumindest derzeit nicht von den Drohungen der USA zu Sanktionen für Geschäfte mit dem Iran beeindrucken. Aber möglicherweise verschieben sich gerade die geopolitischen Risiken wieder. So hat der CIA-Direktor in der vergangenen Woche Russland besucht, weil Sorgen um eine Eskalation in Folge des Ukraine-Kriegs zu bestehen scheinen.

DIE ERWARTUNG

Umso verwunderlicher ist die positive Stimmung an den Aktienmärkten, bei denen der DAX zwischenzeitlich einen neuen Rekordstand erreichte, während europäische Technologie-Aktien so schwach wie zuletzt zu Beginn des Iran-Kriegs waren. Dabei hatte der US-Chip-Hersteller NVIDIA wieder Fabelwerte für das 2. Quartal 2026 vermelden können. Aber die Sorgen um die Verschuldung in dem gesamten Sektor durch den KI-Boom, die steigenden Refinanzierungskosten durch das höhere Zinsniveau und die weltpolitische Lage sorgen immer wieder für Nervosität, die aber keine marktbreiten Rücksetzer nach sich zieht. Konsens schien in der hinter uns liegenden Handelswoche zu der Notwendigkeit von Zinserhöhungen zu bestehen, was wiederum den Edelmetallsektor – insbesondere Gold – belastete. Überraschenderweise beeindruckte die – aus unserer Sicht in Teilen falsche – Erwartung steigender Leitzinsen einige Bereiche des Zinsmarkts nicht. So sinken die Aufschläge für risikoreichere Anleihen immer weiter und gleichzeitig verflacht die Zinskurve im kürzeren und mittleren Bereich. Ersteres ist durch die große Risikobereitschaft zu erklären. Der zweite Punkt der Verflachung der Zinskurve insbesondere im Bereich von 2 bis 6 Jahren bietet keine einfache Ursache. Damit ließe sich eine mehrere Jahre andauernde, internationale Wachstumsschwäche erklären, gegen die aber die in Europa teilweise guten Konjunkturdaten und vor allem die Erwartungen an die KI sprechen. In den USA sind die Wirtschaftsdaten teilweise erstaunlich schwach, was der US-Notenbank Freiraum geben könnte, trotz der kurzfristig wieder auf knapp über 4% gestiegenen Inflation den dortigen Leitzins unverändert zu lassen. Damit wären aber die Kursrückgänge auch bei länger laufenden Anleihen übertrieben. Es ist also ein Umfeld mit extrem widersprüchlichen Entwicklungen und einer sehr hohen Bereitschaft, geopolitische Risiken auszublenden. Dies bedingt mehrere Maßnahmen, um verlässliche Erträge zu generieren: Nach einer sehr erfolgreichen Verkürzung der Laufzeiten muss man nun die Chancen bei länger laufenden Anleihen erkennen und selektiv entsprechende Papiere beimischen. Den vorhandenen und derzeit steigenden, laufenden Ertrag sollte man nutzen, um – je nach Risikoneigung – Aktien im Luxussegment beizumischen oder Positionen im Edelmetallsektor auszubauen. Hier zeigte sich in den vergangenen Tagen, dass Platin – durch das nach wie vor günstige Bewertungsniveau – in abwärts gerichteten Marktphasen weniger als Silber oder Gold verliert. Von dieser Basis sind dann weitere Kurssteigerungen wahrscheinlich, weil Platin und Silber als industriell benötigte Rohstoffe von den Investitionen in Rechenzentren, Chips und Rüstung besonders profitieren könnten. Letztlich sind diese Anlagen aber auch ein Teil einer aktiven Risikostrategie, wenn die vorhandenen Risiken doch zu einer stärkeren Marktreaktion führen sollten. Dies darf man auch hinsichtlich der Laufzeiten bei Anleihen nicht aus dem Blick verlieren. Schließlich war es bei vergangenen Krisen immer gleich: Verkauft wurde zunächst nahezu alles, wobei gute Anlagen weniger stark fielen und wieder früher stiegen. Das ist ein Grund für die guten Ergebnisse bei Schön & Co Anlagen.

 

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