Trump - dank Corona zur 2. Amtszeit?

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Marktupdate 40/2020

Markus Schön, Dienstag 06. Oktober 2020

 

Wie groß der Einfluss des US-Präsident Donald Trump auf die Kapitalmärkte ist, hat die hinter uns liegende Handelswoche eindringlich bewiesen. Erst prägte die Diskussion um ein neues Konjunkturprogramm die Entwicklungen; dann zeigte das TV-Duell wie niedrig das Niveau inzwischen ist, wenn es um das wichtigste politische Amt der Welt geht. Aber all dies wurde übertroffen, nachdem die Corona-Infektion des US-Präsidenten bekannt wurde. Das Risiko einer Wahlverschiebung oder eines Machtvakuums hat die Kapitalmärkte nachhaltig belastet. Umso positiver müsste nun wahrgenommen werden, dass der Verlauf bei Donald Trump mild zu sein scheint. Vermutlich wird dies dann der Wendepunkt im US-Wahlkampf: Trump wird sich in seinem Kurs bestätigt sehen, dass Corona-Maßnahmen so gering wie möglich sein müssen, um die Wirtschaft wenig zu beeinflussen. Damit wird er seine Anhänger umso stärker an sich binden, zumal die wirtschaftlichen Daten in den USA auch wieder besser werden. Wenn nun ein weiteres Hilfsprogramm verabschiedet werden sollte, dürfte dies den Schub geben, den Trump für seine Wiederwahl benötigt. Ob dies wirklich so positiv ist, wie es an den Börsen gesehen wird, ist mehr als fraglich. Zwar droht dann keine Abkehr von den Steuererleichterungen, aber für den Welthandel wäre eine 2. Amtszeit Trumps sicherlich noch schwieriger.

 

Die konfrontative Haltung beispielsweise gegenüber China würde wohl eher zunehmen. Gleichzeitig ginge die Bereitschaft der USA, sich international zu engagieren, zurück. Trumps Strategie internationale Einrichtungen wie die Welthandels- oder Weltgesundheitsorganisation systematisch zu schwächen, dürfte an Dynamik gewinnen. Dies träfe dann auf eine geschwächte EU, die immer noch keine Regelung für ein Folge-Abkommen mit Großbritannien hat und damit verspätet eine Situation wie bei einem harten Austritt droht. Dabei ist der Druck auf Großbritannien deutlich gestiegen, nachdem dort die wirtschaftliche Entwicklung aufgrund der Corona-Pandemie besonders bedenklich ist. Dennoch konnte das Britische Pfund in den letzten Tagen leicht hinzugewinnen, weil auch an den internationalen Kapitalmärkten die Hoffnung zuletzt stirbt. Dies ist auch das stärkste Argument für Grenke-Aktionäre und -Anleihegläubiger. Das Unternehmen sahen wir seit Jahren kritisch und sehen uns – wie schon zuvor bei Wirecard – durch die aktuellen Entwicklungen bestätigt. Aber auch in der europäischen Politik wird viel auf das Prinzip Hoffnung gesetzt. Deutschland kommt – vor allem durch die Nachfrage aus Asien und insbesondere China – so tatsächlich derzeit recht gut durch die Krise. Die Daten zur Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit sind besser als erwartet. Aber in der Eurozone steigt die Arbeitslosigkeit seit fünf Monaten und die Inflation geht im negativen Bereich immer weiter zurück. Eine wirkliche Deflation wäre für weite Teile Europas eine Katastrophe, weil es kaum wirksame (geld)-politische Mittel zur Bekämpfung gibt. Schon jetzt spaltet sich Europa wirtschaftlich in zwei Lager: Auf der einen Seite steht Deutschland mit einer relativ starken wirtschaftlichen Erholung und nur moderat steigenden Corona-Infektionen. Auf der anderen Seite steht der Rest Europas mit teilweise wieder explodierenden Infektionszahlen, schon jetzt einer immensen Verschuldung und einer anhaltenden Schwäche der jeweiligen Volkswirtschaften. Dies reißt Europa immer weiter auseinander und schwächt den Wirtschaftsraum von innen heraus. Diese Risiken spielen derzeit an den Kapitalmärkten aber keine Rolle. Auch die Nachricht Chinas, ab dem kommenden Jahr die Wachstumsziele auf 5-Jahres-Sicht um mehr als 1%-Punkt jährlich zu reduzieren, wird nicht wahrgenommen. Die Welt blickt mehr oder weniger gebannt auf Donald Trump, seine Erkrankung und vor allem auf seinen Umgang damit.

 

Dabei steht der US-Präsident wie kaum ein anderer für einen Verschuldungskapitalismus. Das Vermögen, das viele Anleger erreicht hatten, basiert auf der insbesondere in den USA explodierenden Verschuldung. Auch in Deutschland blieb die jetzt schon vorhandene und gemäß der Haushaltsberatungen weiter steigende Verschuldung ohne Wirkung. Die Zinsen bleiben mit -0,54% p. a. auf extrem niedrigem Niveau. Dies heizt die Vermögenspreisinflation teilweise bei Anleihen, Aktien und Immobilien an, während realwirtschaftlich die Preise eher sinken als steigen. Es zeigt, dass der Nachfrageschock eben noch nicht verarbeitet ist und die wirtschaftliche Erholung länger dauern wird, als dies vielfach erwartet wird. Deswegen werden die Zinsen global eher sinken, zumal erste Experten selbst bei einer kurzfristigen Zulassung eines Impfstoffs noch 1 ½ bis 2 Jahre mit Einschränkungen rechnen. Für viele Branchen wäre dies das wirtschaftliche Ende, so dass es verwundert, dass sich der Reisekonzern TUI tatsächlich Anleihekäufer gefunden hat, um sich am Kapitalmarkt refinanzieren zu können.

 

Im deutlichen Gegensatz dazu steht die Entwicklung bei Bayer. Das Unternehmen überraschte mit einer Gewinnwarnung, aber noch wesentlich überraschender war der damit verbundene Kurseinbruch, der nach unserer Einschätzung mindestens 8% zu stark ausfiel. Neben diesem Wert ist für eher international ausgerichtete Investoren das US-Big-Data-Unternehmen Palantir interessant, das in New York an die Börse ging. Hier sollte man aber auf eine „normalere“ Bewertung warten, bevor man in dem Wert ggf. eine kleinere Beimischung vornehmen kann.

 

So bieten die internationalen Aktienmärkte nur noch sehr selektiv Chancen, während aber gerade Fremdwährungsanleihen noch mehr Potenzial haben. So gehören in diesem Jahr rohstoffnahe Währungen wie der Russische Rubel und der Mexikanische Peso zu den großen Verlierern. Beide Länder sind stark von Corona betroffen. Viel entscheidender ist aus unserer Sicht jedoch die starke Abhängigkeit der Volkswirtschaften von der Preisentwicklung bei Energierohstoffen. Dort gab es zwar teilweise Halbierungen der entsprechenden Preise, aber der Rückgang um 30% beim Russischen Rubel ist ebenso übertrieben wie der Rückgang des Mexikanischen Peso um 20%, zumal Mexiko – trotz immenser Belastungen aus der Corona-Krise – zumindest unterjährig einen Haushaltsüberschuss erzielt. Entsprechend sind beide Währungen als Beimischung weiterhin interessant. Spannend wird auch die Entwicklung des US-Dollar gerade in den nächsten Tagen sein. Fundamental müsste die US-Währung hinzugewinnen, aber Donald Trump strebt einen schwächeren US-Dollar an. Deswegen dürfte die US-Währung in den nächsten Tagen leicht verlieren. Daher können selektiv Käufe zur Diversifikation sinnvoll sein.

 

Natürlich haben die starken Rückgänge bei den Energierohstoffen wesentlichen Einfluss auf die rückläufige Inflationsentwicklung, aber es ist auch ein Zeichen für die global bestenfalls verhaltene Erholung der Wirtschaft. Umso erfreulicher ist die Entwicklung der Industriemetalle, die teilweise deutlich hinzugewinnen konnten. So ist der Kupferpreis inzwischen um 6% in diesem Jahr gestiegen. Besonders stark hat sich aber – auch in den letzten Tagen – das von uns favorisierte Silber entwickelt. Im Wochenvergleich ist es über 4% im Plus hat damit doppelt so viel hinzugewonnen wie der Goldpreis. Noch beeindruckender ist die Entwicklung seit dem Jahresanfang, da Silber in diesem Jahr um fast 35% gestiegen ist.

 

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